Am 2./3. Juni 2016 im Bayerischen Landtag

Statements


  • Die Raumplanerin : Andrea Dittrich-Wesbuer

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    Neues Zusammenleben in ländlichen Regionen

    In Deutschland leben mehr Menschen in den Städten als auf dem Land. Der Anteil der Stadtbevölkerung ist in den letzten Jahren weiter gewachsen und wird es voraussichtlich auch weiterhin tun. Dabei sind es insbesondere junge Erwachsene, die wegen Bildung, Ausbildung oder Berufseinstiegsmöglichkeiten die urbanen Zentren bevorzugen. Auch die jüngsten Zuwanderungen von Flüchtlingen ändern hieran nur sehr punktuell etwas und tragen längerfristig zum Wachstum der Städte bei. Dieser Trend der Reurbanisierung wird in Wissenschaft und Politik stark diskutiert.

    Rückläufige Einwohnerzahlen durch Abwanderung und Alterung in ländlichen Kommunen können eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Der Bevölkerungsrückgang verschlechtert die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen und gefährdet das Angebot an Versorgungs- und Infrastruktureinrichtungen. Dadurch wird die Attraktivität schrumpfender Gemeinden als Wohn- und auch als Wirtschaftsstandort weiter gesenkt.

    Um den Bedürfnissen und Anforderungen der Landbevölkerung gerecht zu werden, sind neue Ideen und Lösungen gefragt. Verwaltungen, engagierte Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Organisationen erproben neue Wege durch Pilotprojekte, Initiativen und Kooperationen. Bürgerbusse, mobile Arztpraxen, Senioren-Wohngemeinschaften und Dorfläden sind nur ein paar Beispiele. Dabei muss die Frage diskutiert werden, ob die derzeitigen Standards der Daseinsvorsorge aufrechterhalten werden können und wie die Lebensqualität vor Ort gesichert werden kann. Es ist von großer Bedeutung, sich diesen Herausforderungen rechtzeitig zu stellen und nicht nur die negativen Auswirkungen zu sehen, sondern den Wandel gleichzeitig als Chance für neue Wege und Qualitäten des Zusammenlebens in ländlichen Räumen zu verstehen.

  • Der Alterspräsident: Prof. Dr. Peter Paul Gantzer

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    Nur zusammen können Jung und Alt die Gesellschaft gestalten

    Eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe ist es nach wie vor, ein positives Altersbild herzustellen. Leider trifft man bisher in der Regel auf ein negatives Altersbild, was daran liegt, dass unsere Gesellschaft geprägt ist durch den Begriff der Leistungsfähigkeit seiner Mitglieder. Wer im Arbeitsprozess integriert ist, gilt als leistungsfähig und noch nicht alt. Wer Rente bezieht, ist alt. Hinzu kommt, dass die Älteren als wirtschaftliche Belastung angesehen werden, weil sie länger Rente bezögen und gleichzeitig stärker auf die Gesundheitsdienste angewiesen seien. In einer Gesellschaft, die die Wertschätzung des Menschen in seiner ökonomischen Verwertbarkeit und Leistungsfähigkeit bemisst, werden ältere Menschen, weil sie nicht mehr ökonomisch produktiv sind, als Last begriffen. Der alte Mensch wird virtuell in den Rollstuhl gesetzt.

    Dieses negative Altersbild, orientiert am Primat der Jugend, die angeblich allein und ausschließlich mit Dynamik, Arbeit und Leistung aufwarten kann, gilt es aufzubrechen. Eine Bewusstseinsveränderung ist angesagt. Ihr Ziel muss ein positives Altersbild sein. Ein wichtiger Beitrag hierzu wäre, die Altersgrenzen (bis auf einige Ausnahmefälle) aufzuheben und jeden Älteren selbst entscheiden zu lassen, wann er in Rente gehen will. Jeder hat das Recht auf Ruhestand. Jeder sollte aber auch das Recht haben zu arbeiten - so lange er will und kann. Damit könnte dann auch das wichtigste Ziel erreicht werden: Jung und Alt zusammen gestalten die Gesellschaft.

    Prof. Dr. Peter Paul Gantzer, sicherheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, gehört seit 1978 dem Bayerischen Landtag an und ist mit 77 Jahren dessen Alterspräsident.

  • Die jüngste Abgeordnete im Landtag: Judith Gerlach

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    Judith Gerlach MdL Fotograf Björn Friedrich

    Sicherheit und Stabilität für alle Generationen

    Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung aus dem Jahr 2013 zeigt: junge Menschen sehnen sich vor allem nach Sicherheit und Stabilität. Waren in den siebziger und achtziger Jahren noch antiautoritäres Aufbegehren gegen die bestehenden Machtverhältnisse prägend, stehen junge Menschen heute schon sehr früh und leistungsorientiert in der Mitte der Gesellschaft.

    Die ältere und die jüngere Generation bewerten vieles sehr ähnlich und leben auch danach. Deshalb werden die jungen Menschen von heute häufig die „langweiligste Generation aller Zeiten“ genannt. Aber sind die Jungen wirklich langweilig, oder sind deren Einstellungen nicht eher eine positive Entwicklung für die Herausforderungen der Zukunft? Die Generationen haben sich angenähert. Die Solidarität zwischen den Generationen ist elementar für eine erfolgreiche Zukunft unseres Landes.

    Der Klimawandel, die Folgen der Globalisierung, hohe Arbeitslosigkeit in Europa, Flüchtlingsbewegungen, der demografische Wandel, neue Bedrohungen unserer Freiheit sowie der Zugang zu Informationen und Mobilität, sind nur einige wichtige Beispiele der Herausforderungen unserer Zeit. Sie eröffnen uns aber zugleich Chancen für eine verantwortliche und zukunftsfähige Politik, auch für die nachfolgende Generation. Um dem gerecht zu werden, müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, um den bereits erreichten sozialen und wirtschaftlichen Lebensstandard der Bürger aufrecht zu erhalten und die Lebensverhältnisse an zukünftige Entwicklungen anzupassen und zu verbessern.

    Durch den demografischen Wandel ist der Generationenvertrag in eine Schieflage geraten. Solidarität zwischen den Generationen ist daher gefragt! Jung und Alt müssen sich gleichermaßen füreinander verpflichtet fühlen und der Staat die Rahmenbedingungen für Sicherheit und Stabilität für alle schaffen. Aber auch die Zukunft Europas wird eine entscheidende Rolle spielen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Europäische Union weiterhin als solidarischer Staatenverbund versteht und alle Mitglieder an einem Strang ziehen.

    Judith Gerlach, für die CSU Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration, ist mit 30 Jahren die jüngste Abgeordnete im Bayerischen Landtag. Ihr Foto stammt von Björn Friedrich.

  • Der älteste Abgeordnete seiner Fraktion: Joachim Hanisch

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    Joachim Hanisch Parlament der Generationen

    Ältere sind ein großer Gewinn für die Gesellschaft

    Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Dadurch wird die Zahl der Pflegebedürftigen ansteigen. Viele ältere Menschen haben ein Leben lang gearbeitet und stellen plötzlich fest, dass die Rente nicht mehr ausreicht. In naher Zukunft wird ein Arbeitnehmer fast alleine für einen Rentner aufkommen müssen.

    Um den Generationenvertrag auch in Zukunft erfüllen zu können, sind deshalb solide Finanzen die Basis für eine nachhaltige Zukunft. Wir müssen die Stärken des Alters erkennen und nutzen; aber auch wissen, dass es nicht zu viele Alte gibt, sondern zu wenig Junge. Eine zukunftsorientierte Politik muss eine Politik nicht nur für, sondern mit und zum Teil auch von alten Menschen sein. Wir brauchen mehr geriatrische und gerontopsychiatrische Abteilungen in Krankenhäusern, mehr Alten- und Pflegeheime, mehr Tages- und Kurzzeitpflege sowie mehr ambulante pflegerische und hauswirtschaftliche Dienste. Wir müssen eine Anpassung und Umgestaltung der städtischen Raumstrukturen  und der angebotenen Wohnformen ins Auge fassen.

    Ergänzend dazu muss auch die Altersforschung erheblich gestärkt werden und wenn wir mehr in unsere Kinder investieren, hilft dies auch der notwendigen Umgestaltung der Rentenpolitik. Energieversorgung, Umwelt- und Klimaschutz, Qualitätsstandards bei Lebensmitteln, in der Gesundheitsversorgung und im Bildungssystem sind zu stärken. Ältere Menschen mit ihren Erfahrungen, ihrer guten körperlichen, seelischen und geistigen Verfassung, ihrem sozialen Engagement sind aber auch ein großer Gewinn für die Gesellschaft. Dies sollten wir stärker nutzen.

    Joachim Hanisch, Jahrgang 1948, ist der älteste Abgeordnete in der Fraktion der Freien Wähler (FW).

  • Von den Model United Nations zum Parlament der Generationen: Carolin Huber

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    Eine Bereicherung für den politischen Diskurs

    Ich finde es überaus spannend, den demografischen Wandel und damit einhergehende Herausforderungen und Chancen in einem innovativen Format der Politiksimulation - dem Parlament der Generationen - zu diskutieren und zu hinterfragen. An der Universität Regensburg studiere ich Betriebswirtschaftslehre, Politik- und Medienwissenschaft.

    Bereits seit mehr als fünf Jahren nehme ich mit Begeisterung an Model United Nations Konferenzen teil und engagiere mich bei der United Nations Society Regensburg. Aufgrund meiner Erfahrung im Bereich der Politiksimulationen und meiner Begeisterung für gesellschaftspolitische Themen bin ich mehr als motiviert, mich den Herausforderungen des Parlaments der Generationen anzunehmen und möchte zum Erfolg der Simulation beitragen.

    Eine konstruktive Debatte über Bildungs- und Sozialpolitik in verschiedenen Generationen zu verfolgen und den Einfluss des demografischen Wandels auf die politische Meinungsbildung während der Simulation zu erleben, empfinde ich als große Bereicherung für den politischen Diskurs. Daher freue ich mich auf ein Aufeinandertreffen der Generationen und einen gemeinsamen Dialog.

    Carolin Huber ist beim Parlament der Generationen eine unserer wissenschaftlichen Hilfskräfte. Sie wird die sogenannten "Könner" sowie die Mitglieder des Ausschusses für Bildungsfragen im 2050er-Parlaments in ihrer Arbeit unterstützen.

  • Die Teilnehmerin, die gerne noch studiert hätte: Maria Jakob

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    Mehr Bildungsangebote auch in kleinen Städten

    Ich bin gespannt auf den Dialog zwischen den Generationen - darauf, zu erfahren, welche unterschiedlichen Sichtweisen über das Jetzt vorhanden sind, welche Wünsche bei den verschiedenen Altersgruppen für die Zukunft bestehen. Außerdem möchte ich gerne Aufmerksamkeit für Bedürfnisse meine Altersgruppe wecken. Ich hätte gerne nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben noch Philosophie studiert, die Wegstrecke in die nächste große Universitätsstadt aber war für mich zu weit. Daher geht es mir auch darum, mehr Bildungsangebote, neben den Volkshochschulen, für kleinstädtische Gegenden zu etablieren.

    Auf ein Angebot wie das „Parlament der Generationen“ habe ich gewartet und ich bin sehr gespannt, was sich für Erkenntnisse aus diesem Experiment heraus entwickeln. Ich bin immer offen für Neues und sehr neugierig. Als junge Erwachsene war ich in der Kommunalpolitik eingebunden. Das Leben und die Politik sind immer spannend. Ich bin 1949 geboren und wohne in Nordbayern, am bayerischen Untermain zwischen Spessart und Odenwald. Ich bin Krankenschwester, habe während der Erziehung meiner Kinder und der Pflege meiner Mutter eine Familienpause gemacht und dann, mit 43, nochmals eine aktuelle Qualifizierung in der Krankenpflege. Bis zur Altersrente war ich in der stationären Pflege in einem Lehrkrankenhaus der Uni Würzburg tätig.

  • Von der Schul- auf die Parlamentsbank: Stephan Koch

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    Wichtiges Thema, gute Möglichkeit mitzureden

    Ich bin 16 Jahre alt, komme aus Pfeffenhausen im Landkreis Landshut und besuche die 10. Klasse des Maristen-Gymnasiums in Furth. Das „Parlament der Generationen“ soll einen tiefen Einblick in die politischen Entscheidungsprozesse sowie in die Thematik des demografischen Wandels gewähren. Es besteht aus Vertretern verschiedener Altersgruppen und ich finde es interessant, wie sich dieser Altersunterschied auf die politische Meinung auswirken wird. Der demographische Wandel wird unsere Zukunft stark beeinflussen. Daher finde ich es sehr wichtig, sich mit diesem Thema auseinander zusetzen.

  • Übers Ehrenamt zum Parlament der Generationen: Monika Maier

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    Der Seniorenarbeit den richtigen Stellenwert geben

    Ich werde im Juli 62 Jahre alt, bin seit 30 Jahren verheiratet und habe eine erwachsene Tochter. Nach meiner Berufsausbildung zur Industriefachwirtin arbeitete ich im Rechnungswesen. Als 2004 der Firmensitz meines damaligen Arbeitgebers verlagert wurde, begann ich, mich als Hausfrau und ehrenamtlich zu betätigen - überwiegend im Seniorenbereich sowie für die Gemeinde Poing als Leiterin in der Freiwilligen Agentur Poing. Ich engagiere mich in der Arbeiterwohlfahrt, Ortsverband Poing, als Beisitzerin und versuche mich auch hier für die Bedürfnisse unserer Senioren einzusetzen. 

    Meine ehrenamtliche Tätigkeit ist der Grund meiner Teilnahme und auch meiner Motivation. In der Politiksimulation „Parlament der Generationen“ wurde ich nun in den Ausschuss für regionale Entwicklung eingeteilt. Ich hoffe, dort meine Erkenntnisse aus der Seniorenarbeit für die zukünftige Entwicklung der stetig älter werdenden Bevölkerung einbringen zu können. Wie in vielen anderen Gemeinden hat auch in Poing die Seniorenarbeit noch nicht den richtigen Stellenwert und wird überwiegend auf den ehrenamtlichen Bereich abgeschoben.

  • Simulationserfahren und gespannt auf die Debatten: Katharina Radler

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    Den eigenen Blickwinkel kritisch hinterfragen

    Politiksimulationen machen nicht nur Spaß, sie geben auch Raum um sich mit Themen auseinanderzusetzen, über die man im normalen Alltag meist nicht in dieser Tiefe diskutiert. Durch die intensive Beschäftigung mit einem Thema und durch den Austausch mit einer Gruppe von – meist zuvor noch fremden – Menschen lässt man sich darauf ein, seinen eigenen Blickwinkel kritisch zu hinterfragen, die Perspektiven zu erweitern und zu wechseln.

    Das Parlament der Generationen bietet genau eine solche Plattform. Zudem werden die beiden ausgewählten Themen die Gesellschaft in nicht allzu ferner Zukunft vor neue Herausforderungen stellen und betreffen jeden Teilnehmenden persönlich – genau die richtigen Zutaten für engagierte und lebhafte Diskussionen!

    Zum Thema Politiksimulationen bin ich über meine langjährige Teilnahme am Europäischen Jugendparlament gekommen.Da ich aber bisher nur an Simulationen mit SchülerInnen und Studierenden teilgenommen habe, freue ich mich besonders auf die bunte Zusammensetzung der Teilnehmenden beim Parlament der Generationen. Ich bin auf viele interessante Debatten in den kommenden Tagen gespannt!

    Katharina Radler kommt ursprünglich aus der Nähe von Salzburg und studiert derzeit an der Universität Passau European Studies und Kulturwirtschaft im Bachelor. Sie ist beim Parlament der Generationen eine unserer wissenschaftlichen Hilfskräfte. Sie wird die sogenannten "Kenner" im 2016er-Parlament sowie die Mitglieder des Ausschusses für regionale Entwicklung im 2050er-Parlament in ihrer Arbeit unterstützen.

  • Die Demografie-Expertin: Dr. Nora Sánchez Gassen

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    Die Alterung der Bevölkerung in Deutschland

    Viel ist in den vergangenen Jahren über die Bevölkerungsalterung in Deutschland und ihre Auswirkungen geschrieben worden. Dabei stehen meist die Herausforderungen für Rentensysteme, Pflegeversicherung und die Gesundheitsversorgung im Mittelpunkt. Doch wir sollten nicht vergessen, dass die Alterung der Bevölkerung auch Chancen für jeden Einzelnen und die Gesellschaft birgt.

    Eine der Hauptursachen für die Bevölkerungsalterung ist der Anstieg der Lebenserwartung: 2014 lag die Lebenserwartung bei Geburt bei 78 Jahren für Männer und 83 Jahren für Frauen. Und sie steigt weiter – im europäischen Durchschnitt wird angenommen, dass wir jedes Jahr zwei bis drei Monate hinzugewinnen. Dies entspricht einem Anstieg von etwa 10 Stunden Lebenszeit allein während der beiden Tage, die das Parlament der Generationen tagt! Neugewonnene Lebenszeit für uns alle.

    Dank der gestiegenen Lebenserwartung ist es heute nicht mehr ungewöhnlich, dass bis zu vier Generationen gemeinsame Lebenszeit verbringen können. Dies ist eine Chance in der Menschheitsgeschichte, die viele Möglichkeiten bietet, um gemeinsame Erinnerungen zu schaffen, Erfahrungen weiterzugeben und Unterstützung zu leisten. Wissenschaftliche Studien der letzten Jahre legen zudem nahe, dass wir die gewonnene Lebenszeit zu einem großen Teil in guter Gesundheit verbringen. Zeit, die neue Möglichkeiten eröffnet sich einzubringen, in der Nachbarschaft, im Verein, der Arbeitsstelle – oder in politischen Diskussionen wie dem Parlament der Generationen.

  • Die zweitjüngste Landtagsabgeordnete: Katharina Schulze

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    Politische Forderungen infolge des demografischen Wandels

    Werde ich am Ende meines Arbeitslebens überhaupt Rente bekommen bzw. wird es mal ein Ende des Arbeitslebens für mich geben? Warum werden die Mieten immer teurer, gerade in den Ballungsräumen? Warum machen wir unsere Lebensgrundlagen kaputt? Ich will Kinder und Karriere, klappt das beides? In meinem Freundeskreis, aber auch mit Besucherinnen und Besuchern im Landtag oder bei meinen Gesprächen in ganz Bayern diskutieren wir immer wieder diese Themen.

    Für mich ist klar: Der Wohnungsbau muss massiv angekurbelt werden. Mindestens 70.000 neue Wohnungen pro Jahr müssen gebaut werden. Die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ darf nicht nur ein Schlagwort bleiben: Wir brauchen mehr und bessere Kita- und Krippenplätze und flexiblere Arbeitszeitmodelle. Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel in den Köpfen: alte Rollenklischees gehören aufgebrochen. Das klassisch traditionelle Familienbild hat für viele junge Menschen längst ausgedient – trotzdem sind viele gesetzliche Rahmenbedingungen immer noch daran ausgerichtet. Auch gehört unser Rentensystem reformiert, es muss generationengerechter werden. Außerdem bin ich als Öko davon überzeugt: Der Wohlstand und die Freiheit von uns selbst und von den Menschen in anderen Teilen der Welt wird nur bleiben, wenn wir anders mit unserer Umwelt umgehen. Wenn wir aufhören, Kohle und Öl zu verbrennen und statt dessen auf Sonne und Wind setzen. Wenn wir aufhören, Tiere als Rohstoff zu sehen, sondern sie als Geschöpfe betrachten. An diesen Themen muss „die Politik“ unbedingt dranbleiben, aber auch jeder Einzelne kann seinen Teil dazu beitragen.

    Katharina Schulze, stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, ist mit fast 31 Jahren die zweitjüngste Abgeordnete im Bayerischen Landtag. Ihr Foto stammt von Olaf Köster.

  • Der Schülersprecher: Milot Spörl

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    In der Simulation Lösungsansätze für die Politik erarbeiten

    Ich bin 16 Jahre alt und wohne zusammen mit meiner Familie im oberbayerischen Mühldorf am Inn. Derzeit besuche ich dort die elfte Klasse des Ruperti-Gymnasiums. Durch mein Engagement als Schülersprecher bin ich schon oft mit der Politik in Kontakt gekommen - und weiß auch, was es heißt, schwierige Entscheidungen zu treffen.

    Als eines der jüngsten Mitglieder des Planspiels bin ich am meisten von den Folgen des demografischen Wandels gefährdet und umso mehr motiviert, Lösungen zu finden. Als ich zum ersten Mal vom Parlament der Generationen hörte, war ich schnell davon überzeugt und gewillt, daran teilzunehmen. Der demografische Wandel in Deutschland und die damit einhergehenden Herausforderungen an die Gesellschaft sind nicht zu leugnende Tatsachen, welche vor allem für die jüngere Bevölkerungsschicht immer mehr an Bedeutung gewinnen.

    Die Politik ist meines Erachtens trotz einiger Bemühungen allerdings noch weit davon entfernt, einen nachhaltigen Plan zu konzipieren, der diesen Herausforderungen gewachsen ist. Daher sehe ich in diesem Planspiel eine große Chance, die gesetzgebende Gewalt in Deutschland in der Problematik rund um den demografischen Wandel mittels Lösungsansätzen zu unterstützen. Dementsprechend hoch sind auch meine Erwartungen an das Parlament der Generationen. Ich hoffe, die Arbeit durch meine eigenen Erfahrungen und Kenntnisse bereichern zu können.

  • Der Bildungs-Experte: Dr. Harald Wilkoszewski

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    Bildung als Voraussetzung für ein gesundes Leben

    Deutschland wird älter, die Lebenserwartung für Männer und Frauen, auch im höheren Alter, steigt weiter kontinuierlich an, Lebensspannen von 100 Jahren werden bald eher die Norm als die Ausnahme sein. Eine gute Nachricht, wie ich finde.

    Die demografischen Veränderungen halten aber auch eine Reihe von Herausforderungen für uns bereit. Nicht alle Menschen altern beispielsweise gleichermaßen in Gesundheit, bei vielen erschweren chronische Krankheiten den Alltag und lassen das Versprechen eines immer länger währenden Lebensabends plötzlich nicht mehr so wünschenswert erscheinen.

    Dabei sollten wir uns allerdings bewusst sein, dass wir durch gute politische Entscheidungen die Art und Weise des Alterns sehr konkret beeinflussen können. Studien zeigen uns, dass gesundes Altern stark mit dem Thema Bildung verknüpft ist: Menschen mit höherem Bildungsstand ernähren sich in der Regel besser und haben größere soziale Netzwerke, die vor allem auch im Alter wichtig sind. Ein Land wie Deutschland, dass sich mitten im Demografischen Wandel befindet, sollte deshalb einen besonderen Augenmerk darauf legen, wie möglichst viele Menschen möglichst gut (weiter-)gebildet werden können.

    Und dabei geht es natürlich nicht nur um das höhere Lebensalter. Viel zu viele junge Menschen in Deutschland verlassen immer noch ihre erste Bildungsphase ohne einen qualifizierenden Abschluss und haben deswegen oft schlechte Startchancen in das Berufsleben. Eine Tatsache, die wir uns angesichts zahlenmäßig stark geschrumpfter nachfolgender Generationen nicht leisten können. Aber auch hier ist nicht alles von Anfang an verloren. Innovative Projekte zur Nachqualifizierung zeigen, dass es für einen Bildungsabschluss nie zu spät ist.

    Bildung ist deshalb in meinen Augen das Schlüsselthema, damit der Befund „Deutschland wird älter“ eine gute Nachricht bleibt.